Meditation — ein zufällig gezogenes Wort
Bleibt hier, so lange ihr wollt
Diesen Satz habe ich zu jeder Seele getragen, die je verlangt hat zu wissen, wessen Schuld ihr Leiden sei.
Ich war da, am allerersten Anfang von ihm, formte Augen in der Dunkelheit des Mutterleibs, die sich für Jahre dem Licht nicht öffnen sollten, und ich will, dass ihr dies klar hört, ehe die Geschichte weitergeht: keine Sünde von ihm, keine Sünde seiner Eltern hat die Lampe gelöscht, ehe sie entzündet war. Die Jünger stellten die Frage, die Menschen immer stellen, wenn sie auf Leid stoßen, das sie nicht erklären können – Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? –, als müsste Kummer immer eine fällige Rechnung sein. Jesus legte diese Frage vollständig beiseite. Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es sollten die Werke Gottes an ihm offenbar werden. Diesen Satz habe ich zu jeder Seele getragen, die je verlangt hat zu wissen, wessen Schuld ihr Leiden sei. Manchmal lautet die ehrliche Antwort: niemandes. Manchmal wird ein Leben nicht gegeben, um das Böse zu erklären, sondern um eine Herrlichkeit zu offenbaren, die sonst keine Bühne gehabt hätte.
Setzt euch. Legt das Telefon flach auf den Tisch, wenn ihr könnt.
Unten steht eine Zeile, in diesem Augenblick aus all den Wundern gezogen, die auf diesen Seiten geschrieben stehen. Sie wurde nicht von einem Menschen für euch ausgewählt, und sie wurde auch nicht von einem Algorithmus ausgewählt, der irgendetwas über euch weiß. Nehmt sie, wie sie ist.
Atmet mit dem Kreis. Lest die Zeile vier- oder fünfmal, langsam, bis ein Wort hervortritt — bleibt dann bei diesem Wort. Das ist die ganze Methode. Sie ist fünfzehnhundert Jahre alt, und mehr steckt nicht dahinter.
Wenn ihr das noch nie getan habt
- 1
Lest die Zeile einmal, laut, wenn ihr allein seid.
- 2
Atmet vier Runden lang mit dem Kreis, ohne etwas zu lesen.
- 3
Lest sie erneut und achtet darauf, welches Wort euch nicht loslässt.
- 4
Sagt dieses Wort zu Gott, für sich allein, wie auch immer ihr Ihn anredet.
- 5
Bleibt danach in der Stille. Diese Stille ist der eigentliche Sinn; die Worte waren nur die Tür.